Interview

…mit Farin Urlaub (Die Ärzte) im April 1998 für Radio 105:

Marc: Hallo Farin?

Farin (mt gespieltem Schweizer Akzent): Hallo Stephanie, hörst du mich?

Marc: Bei uns jetzt am Telefon Farin Urlaub von den Ärzten.

Farin: Hallo, Farin Urlaub von der besten Band der Welt hier.

Marc: Die erste Frage ist harmlos. Wie sah dein bisheriger Tag aus?

Farin: Der bisherige Tag. Also der erste Teil ist ganz privat, aber er endete mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und dann hab’ ich sogar Zeit gehabt, einen halben Apfel zu essen und jetzt sitzen wir zusammen und reden mit total vielen netten Leuten überall in der Schweiz.

Marc: Das ist ja richtig Sex, Drugs and Rock n’ Roll, in dem Fall!

Farin: Total, oder? Da will man doch sofort Rockstar werden, wenn man das hört.

Marc: Das verleitet einem richtig dazu, doch, muss ich schon sagen.

Farin: Herrlich!

Marc: Trotz meistens sehr langen Pausen zwischen euren Platten und Tourneen meldet ihr euch immer wieder erfolgreich zurück…

Farin: Das ist schrecklich, oder? So ‘n bisschen wie Durchfall. Gerade wenn man denkt, man ist ihn los, da ist er wieder, schlägt er erbarmungslos zu. Nein, wir machen natürlich lange Pausen zwischen allem, weil wir ja eben nicht nur Sex, Drugs and Rock ‘n Roll, sondern auch ein bisschen Pause machen, also sprich: dann fahren wir um die Welt, gehen unseren verschiedenen aussermusikalischen Hobbies nach. Und irgendwann haben wir wieder die Schnauze voll davon und rufen uns gegenseitig an und sagen «Hey, wie wärs? Sollen wir wieder ein bisschen Rockstar spielen? Jajaja!» Und jetzt ist es grad’ mal wieder soweit, und es macht Spass.

Marc: Ja, das ist toll. Das kommt auch rüber bei den Fans, dass es euch wirklich Spass macht und dass ihr nicht nur wegen des Geldes zusammen seit.

Farin: Ne, das wär langweilig!

Marc: Das wär langweilig, weil Geld habt ihr schon genug!

Farin: Richtig!

Marc: Ihr seid immer wieder kreativ. Jedesmal wenn ihr zurückkommt, was neues präsentiert, ‘ne neue Platte, eine neue Single. Es ist jedesmal anders. Es ist nicht das immer gleiche Musikschema wie bei anderen Bands…

Farin: Allerdings!

Marc: Wie schafft ihr das, immer so kreativ zu sein?

Farin: Erstens natürlich tatsächlich durch die Reisen und durch das wir immer noch sehr vielen Einflüssen gegenüber offen stehen und zweitens sehe ich persönlich, also das klingt jetzt mit Sicherheit superarrogant, ich seh’ uns mehr als so eine Band, so was wie die Beatles halt. Immer innovativ, immer an der fordersten Front des musikalischen Passierens. Wir machen ja nicht alles aber wir probieren halt so ziemlich alles aus. Und das macht dann Spass. Nichts ist langweiliger, als wenn wir uns auf ein Schema festlegen würden, deswegen jetzt zum Beispiel auch «Männer sind Schweine». Diese Single ist halt auch für uns relativ untypisch, wir haben jetzt auch schon E-Mails gekriegt von Fans. So von wegen «Hey, ich hab’ euer neues Stück im Radio gehört, seid das wirklich ihr?» Aber das wär ja langweilig, wenn wir jetzt wieder ein Punkrock-Song als erstes ausgekoppelt hätten. Und so bleibts halt spannend, für uns und für die Fans.

Marc: Genau. Kommen wir gleich auf die Single zu sprechen. «Männer sind Schweine» heisst sie. Was wollt ihr mit diesem Lied aussagen, was ist der Hintergrund des Liedes?

Farin: Der Hintergrund des Liedes ist die Wahrheit.

Marc: Die Wahrheit?

Farin: Ja! Ab und zu guckt man sich um und sagt so: «Moment mal, irgendwie. Warum hat den noch niemand darüber gesprochen, dass alle Männer Schweine sind?» Und dann haben wir halt gesagt, wir machen das jetzt mal. Das komische ist, es gibt Leute, die finden das Lied witzig. Das ist überhaupt nicht witzig. Das ist hundert Prozent ernst gemeint. Es ist trauriger Ernst.

Marc: Wie alles bei den Ärzten!

Farin: Richtig!

Marc: Ihr habt mal gesagt, ihr habt euch gegenseitig angeschaut und seid so auf die Idee gekommen für die Single, stimmt das?

Farin: (lacht) Wir erzählen jedesmal was anderes, du kannst dir aussuchen, was die Wahrheit ist. Sagen wir mal so. Ich hatte auch in der Familie einige gute Beispiele für das Lied. Papi, wenn du das jetzt hörst, dich mein’ ich!

Marc: Euer neues Album heisst «13», erscheint am 25. Mai…

Farin: Genau, und es sind 17 Stücke drauf. Das macht insgesamt?

Marc: (lacht) Sag mal, warum heisst das Album «13»?

Farin: Das heisst eigentlich «13», weil erst sollten dreizehn Stücke drauf sein, aber dann warens doch fünfzehn Stücke. Dann wollten wir die Platte schon fünfzehn nennen, aber das Artwork war schon fertig. Da haben wir gesagt: «Jetzt ist auch egal, jetzt machen wir halt siebzehn Stücke drauf» Die Platte heisst immer noch «13» und ausserdem ist es unsere neunte Platte

Marc: Die neunte Platte, und heisst trotzdem «13»?

Farin: Und heisst trotzdem «13». Also es macht überhaupt gar keinen Sinn und deswegen siehts auch total Klasse aus. Wie übrigens auch wir. Wir machen auch keinen Sinn und sehen einfach unglaublich gut aus.

Marc: Darf man schon etwas verraten über den Inhalt des Albums? Ist es wieder ein Konzeptalbum wie «Le Frisur»?

Farin: Nee, das haben wir ja gemacht. Wie gesagt, wir wiederholen uns ja nur, wenns unbedingt nötig ist. Also die Akkordfolge von Westerland zum Beispiel habe ich auch in vier anderen Liedern untergebracht. Nein, es gibt, wie «Männer sind Schweine» schon andeutet, sind wir wieder sehr experimentierfreudig. Also es gibt natürlich die üblichen Punkkracher, wie mein Lieblingsfreund sie immer nennt. Die typischen Ärztestücke mit Harmoniegesang, verzerrten Gitarren, schnellem Schlagzeug und so weiter und natürlich herrvorragend von Rodrigo gespieltem Bass. Und dann gibts wieder Stücke, bei denen wir an die Grenze des überhaupt technisch machbaren gehen. Ich will jetzt aber wirklich nichts verraten.

Marc: Schade!

Farin: (zögernd) Ja, das wird dann langweilig. Also die Platte fängt mit einer ziemlichen Überraschung an. Und textlich (zögert) sagen wir’ so. Ich hatte gestern mit jemanden vom Blick gesprochen, der hatte schon ein paar Stücke vorab gehört und der hat sich völlig über einen Text aufgeregt. Er meinte: «was soll dass denn, das gibts doch überhaupt nicht, dass darf man doch nicht singen!» Und so was ist halt auch wieder drauf. Also grosse Freude, es wird auf jeden Fall wieder eine super-unterhaltsame Platte.

Marc: Die Ärzte-Fans können sich auf jeden Fall darauf freuen!

Farin: Und nicht nur die, auch alle gutaussehenden Frauen auf dieser Welt. Weil wir sind ja auch bald wieder auf Tour.

Marc: Ja, das stimmt. Wie lautet das Tournee-Motto dieses Jahr?

Farin: Das Tournee-Motto heisst «Attacke Royal», und wir spielen unter anderem an achten September in Weil am Rhein und danach im Laufe des Oktobers und Novembers mindestens noch vier weitere Konzerte in der Schweiz.

Marc: Warst Du schon mal im Urlaub in der Schweiz?

Farin: Na klar, schon zweimal. Einmal auf Klassenfahrt und einmal feiwillig.

Marc: Wo gehst du sonst in Urlaub?

Farin: Ja, normalerweise fahr ich etwas weiter weg so in Länder, wo ich noch nicht mal mehr «schwyzerdütsch» höre, aber in der Schweiz ist es auch schön, man kann da gut Urlaub machen.

Marc: Was war eigentlich der Auslöser dafür, dass ihr euch auf euren Konzerttickets nackt ablichten liesst. Es war nämlich so, ich ging ein Ticket kaufen und die Verkäuferin fragte mich, «bist du schon 18?» (Farin lacht) Da hat mich nachdenklich gemacht, weil ich immer glaubte, älter als 18 auszusehen und zweitens habe ich mich gefragt, warum eigentlich. Da habe ich es gesehen, ihr seid nackt, ausser Rod. Warum ist Rod nicht nackt, hat er sich nicht getraut?

Farin: Nee. Das war einfach so. Alle drei nackt, dann hätten Bela und ich so scheisse ausgesehen neben Rod, das wir ihn angefleht haben, er möge sich doch wieder anziehen. Ausserdem siehts so schön absurd aus. Also, wie soll ich sagen? Leute, kauft euch das Ticket. Übrigens in Deutschland werden die in richtig vielen Vorverkaufsstellen zensiert, oder wie man bei euch sagt, zensuriert. Das find ich superlustig. Da hab’ ich schon Beschwerdefaxe gekriegt: «Hör mal, so sehen eure Eintrittskarten aus, wenn man die hier kauft, das ist doch ‘ne Sauerei! Ich will euch auch sehen. Ja also der Auslöser war, wir sollten mal ein ganz auffälliges Poster machen. Also die Plattenfirma kam so an und sagte: «Hey, wir haben eine gute Idee, wir wollen ein riesiges Poster machen von euch, und ihr durft euch auch aussuchen, wie’s ausseht». Haben wir gesagt, alles klar! Haben wir diese Fotos gemacht und die sind dann halt echt blass geworden und meinten, das geht doch nicht. Und wir sagten, ihr habt gemeint, wir dürfen machen, was wir wolln’. Da haben sie halt gekniffen, das ging halt nicht. Und da haben wir die Fotos noch rumliegen gehabt und gseagt, jetzt machen wir’s auf die Eintrittskarte. Vor allem kommt doch bei fast allen Konzerten immer dieser dämliche Ruf «Ausziehn’ ausziehn’!» Und jetzt brauchen wir das halt nicht mehr, jetzt sagen wir halt: «Hey guck auf die Karte, guck auf die Karte!»

Marc: Das ist verhängnisvoll, wenn man euch sagt, macht was ihr wollt!

Farin: Allerdings!

Marc: Es gibt ja nicht viele Bands eurer Couleur, die auch in dieser Stilrichtung spielen wie ihr. Es gibt vielleich noch die Toten Hosen. Ich hab mal gehört, ihr hättet Krieg mit den Toten Hosen. Stimmt das?

Farin: Nein. Das ist Blödsinn. Das wird manchmal von Journalisten in Deutschland so hinstilisiert, weil sie das gerne hätten, dann haben sie nämlich ganz viel zu schreiben. Ich find die Toten Hosen sind ‘ne Superband und einige Sachen, die die machen, find ich nicht gut, aber so grundsätzlich…Ich hör lieber ‘ne Hosen-Platte als zum Beispiel, als ich zuhöre wie Eros Ramazotti mit Tina Turner abrockt, da wird mir schlecht! Jetzt hab’ ich mir gerade mit einem einzigen Satz fünf Millionen Feinde in der Schweiz gemacht, ist doch super! OK, ich appeliere also an die restliche Million Schweizer, kauft die neue Ärzte-Platte.

Marc: (hakt nach) Also in dem Fall ist da nichts daran?

Farin: Nein, da ist überhaupt nichts dran!

Marc: Geht ihr manchmal mit ihnen was trinken oder habt ihr mal einen Gedanken gehabt, etwas mit ihnen zusammen zu machen?

Farin: Ja, wir wollten mal ein Open-Air-Konzert mit ihnen machen, das wär einfach gut gewesen. Auch alleine schon, um diese ganzen Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Aber dazu ist es aus irgendwelchen Gründen auch nie gekommen, über die ich jetzt auch gar nicht reden möchte. Also, wir habens zweimal versucht, und dann hat’s nicht geklappt und dann hatten wir auch irgendwann keine rechte Lust mehr, weil irgendwie haben wir auch noch andere Sachen zu tun, aber ich glaube das ist auch der Hauptgrund, warum wir uns letzten Endes nicht so oft sehen, weil die machen halt ihr Ding und wir machen unser Ding. Und musikalisch…ich finde, wir haben beide ähnliche Wurzeln. Wir haben beide angefangen als Punkbands, die anders waren als die üblichen Punkbands, aber ich denke, das wir uns schon auseinanderentwickelt haben. Zum Beispiel sag’ ich jetzt mal das unsere Platten abwechslungsreicher sind als Hosen-Platten. Aber trotzdem hör’ ich Hosen lieber als Tina Turner und Eros Ramazotti, hach, da wars wieder!

Marc: Ihr seid ja heutzutage, ob ihr es wahrhaben wollt oder nicht, Vorbilder für eure jungen Fans, die den Hauptteil des Publikums ausmachen. Seid ihr euch dieser Rolle bewusst?

Farin: Deswegen sind wir doch nackt auf unseren Eintrittskarten! Was denkts du denn? Nein, also es gibt tatsächlich eine einzige bewusste Konsequenz davon. Bela hat früher ab und zu, na da war er auch noch mehr oder weniger asoveszent, da hat er so mit Jack-Daniels-Flaschen auf der Bühne gestanden und so. Und dann haben wir halt Post gekriegt von Fünfzehnjährigen Mädchen, so «Jah, ich möcht’ so sein wie der Bela, und ich trink auch schon viel Jack Daniels». Und da hat er gesagt, das ist echt doof, weil die sind noch nicht in dem Alter, wo sie das reflektieren können und deswegen bin ich ja der Saubermann in der Band und sage: Liebe Menschen, nehmt keine Drogen, habt lieber Sex, das ist viel spannender. Also diese Vorbildfunktion, wir nehmen die nicht zu ernst, weil dann würden wir irgendwann anfangen, so pädagogische Lieder zu schreiben, und das wär das allerallerletzte, dann wären wir nicht mehr subversiv. Was wir wollen, ist das die Leute selber denken. Und in dem Fall sind wir auf jeden Fall ein Vorbild, weil wir denken verdammt viel selber. Und manchmal kommt dabei auch völliger Unfug raus, aber dazu muss man auch mal stehen. Ansonsten, wie gesagt, wir machen unser Ding!

Marc: Wir haben jetzt von Vorbildern gesprochen. Was waren denn deine und eure Vorbilder, damals?

Farin: Meine und unsre ist schon mal ein Riesenunterschied! Jeder von uns hat eigentlich andere Vorbilder. Ich weiss, dass Bela und Rod Mitglieder der Kiss-Army waren, ich glaube Rod ist es sogar noch, weiss aber nicht, ob dass noch Konsequenzen hat, und Kiss waren halt auf jeden Fall Vorbilder. Die waren halt ‘ne Band die sagten: Ok wir singen und sehen aus wie Comicfiguren, die Erwachsenen haben Angst vor uns, wir spucken Blut und Feuer auf der Bühne und wir machen irgendwie wie ich finde ziemlich durchschnittliche Rockmusik. Bela und Rod würden mir, wenn sie jetzt im Raum wären, das Genick brechen. Das waren auf jeden Fall Vorbilder. Ich kann das insofern nachvollziehen, dass die sich halt auf die Bühne stehen und wirklich auch völlig ihr Ding gemacht haben, die wurden angefeindet von Bibelgruppen, weil sie sind Satanisten. Sie wurden angefeindet von… ach, You Named It. Und trotzdem haben sie sich nie irre machen lassen. Das einzige Vorbild was ich überhaupt hatte, ist Bruce Lee.

Marc: Bruce Lee?

Farin: Ja, Bruce Lee ist mein absolutes Idol. Vorbild eingentlich auch nicht wirklich, Idol eher! Weil ich bin viel grösser als der, und ich bin viel ungelenkiger als der und ich bin aber auch auf meine Art viel gefährlicher als Bruce Lee. Nein, ich hab’ eigentlich nie so richtig Vorbilder gehabt. Ich dachte immer, ich will so sein wie Bela, und Bela wollte immer so sein wie Rod und Rod will glaub’ ich ein bisschen so sein wie ich.

Marc: Die Konsequenz darauf, das ihr gerne ein bisschen so auf Kung-Fu macht, hat man ja im Männer-sind-Schweine-Video gesehen…

Farin: Das war ja geil das Video, oder?

Marc: Es ist wirklich gut gemacht, habt ihr da mit Profis zusammengearbeitet?

Farin: Nein, wir hatten tatsächlich ein Stunt-Koordinator, einfach für die Kampfszenen. Das was im Video Lara Croft ist, ist in Realität eine Ballett-Tänzerin. Wir hatten halt ein Double. Wir hatten jede Szene mal mit dem Double gedreht und mal einmal ohne Double, was sehr schwer ist, gerade wenn man sich zusammenschlagen lässt von der Luft. Das klingt wirklich einfacher, als es ist. Und dafür war der Profi da, einfach damit die Bewegungsabläufe gut sind. Aber sonst haben alles wir gemacht. Und da wir nur zwei Tage Zeit zum Dreh hatten und auch überhaupt keine Vorbereitungszeit, sind auch keine grossartigen Stunts drin. Also nichts, was wir sowieso nicht jeden Tag machen. Über brennende Tonnen springen, mit Ninjacos rumwirbeln und sich mit Frauen prügeln. Also das machen wir sowieso täglich. Von daher war das nix neues für uns. Er hat uns halt geholfen, das es auch noch gut aussieht.

Marc: Es sieht gut aus, das neue Video. Ich war sehr überrascht…

Farin: Wir auch! Hey, das bin ich im Fernsehen!

Marc: Das ist man sich fast schon gewohnt von euch, das man jedes Mal wieder überrascht ist. Jetzt hab ich einige Stichworte für dich…

Farin: Das ist irgendwie super-Populär in der Schweiz. Am Ende von jedem Interview kriegen wir irgendwie zehn Stichworte und müssen sagen, was uns dazu einfällt. Ich bin jetzt auch schon in Übung, Miniröcke. Ist gut, ich kanns kaum erwarten.

Marc: Ich fange an: Guildo Horn.

Farin: Ja, da muss ich ganz viel zu sagen. Das ist gar nicht unser Ding, auch wenn die Leute denken, das wir irgendwas damit zu tun hätten. Das ist Schlager. Und auch wenn er sich ironisch damit auseinandersetzt, ist es immer noch Schlager. Schlager ist kein Punk-Rock.

Marc: Das nächste Stichwort, Bundeskanzlerwahl.

Farin: Ich kann’s kaum erwarten zu sehen, wer jetzt da wieder Bundeskanzler wird. Denn egal wer’s ist, er ist auf jeden Fall ein Arsch.

Marc: Punk-Rock.

Farin: Das Grösste! Das Grösste seit Erfindung von geschnitten Brot, ‘ner Steckdose und Hafties. Wer erinnert sich noch an Hafties? Nein, Punk-Rock war auf jeden Fall der wichtigste Einfluss in meiner spätpupertären Phase. Das war super! Deswegen habe ich jetzt auch wieder leuchtend rote Haare.

Marc: Ja, das kommt gut rüber, die roten Haare und Belas grün-schwarze auch.

Farin: Und Rod hat sich jetzt ja auch die Haare schwarz gefärbt, das sieht total Klasse aus.

Marc: Titanic ist das nächste Stichwort.

Farin: Oh Gott! Ich find’ das so gemein. Alle reden über dieses dämliche Schiff, das untergegangen ist und keiner redet von dem Eisberg. Überleg’ mal! Schwimmt so ein Eisberg friedlich, tust niemanden was zuleide. Schwimmst frierend durch die Meere und auf einmal kriegst du eine völlige Breitseite von 200’000 Bruttoregistertonnen Blech. Danach kommen noch Leute, tauchen in der Nähe rum, sind völlig verzweifelt und keiner kümmert sich um dich. Riesige Schnittwunden muss er davongetragen haben, also ich prangere das an. Ich mache diesen Kult nicht mit, ich sehe mir den Film auch nicht an. Jedenfalls nicht, solange der Eisberg nicht mindestens die Hälfte der Zeit spielt.

Marc: Es gibt ja Leute, die behaupten, der Eisberg wäre der beste Schauspieler gewesen im Film!

Farin: (lacht) Ich hab’ ihn nicht gesehen, wie gesagt, aber ich kanns mir gut vorstellen.

Marc: Da kommt im Zusammenhang mit dem vorherigen Stichwort das nächste, Leonardo Di Caprio.

Farin: Cabrio wollt’ ich mit auch mal kaufen, aber was ist ein Leonardo? Nein, das ist doch irgendwie…Das ist mir völlig egal. Das ist doch so ‘n Typ mit ‘ner komischen Popperfrisur, mein Gott.

Marc: Und jetzt ein Stichwort, die haben euch schon in der Vergangenheit verfolgt, Modern Talking.

Farin: Das die wieder zusammen sind, das ist doch unglaublich. Ich kann mir nicht vorstellen, das die Kohle alle ist. Sag mir irgend einem Beweggrund, warum gibt es einen You My Heart, You’re My Soul ’98? Ich versteh’s nicht, ich versteh’s echt nicht! Aber wir haben sehr gelacht.

Marc: Aber ihr hattet doch auch mal eine Reunion?

Farin: Allerdings! Aber das war was anderes! Oder hast du eine Westerland ’98 gehört, nein!

Marc: Das war Farin Urlaub von den Ärzten

Farin: Beste Band der Welt.

Marc: Besten Dank, Farin!

Farin: Nichts zu danken! Einen wunderschönen Tag, hat mir auch Spass gemacht.

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