TV-Kritik: Wetten, dass Lanz noch Zeit braucht?

Düsseldorf/Mainz – Eine dreiviertel Stunde lang wurde im sogenannten „Wetten, dass..?“-Countdown der Eindruck erweckt, der Messias höchstpersönlich würde um 20.15 Uhr erscheinen und das wartende Fernsehvolk erlösen. Es war dann aber doch nur ein Mensch. Aber immerhin ein Mensch, der sich traute, in die Fussstapfen von Thomas Gottschalk zu treten: Markus Lanz. Soviel kann man schon mal vorweg nehmen, es ist Lanz in der ersten Ausgabe von „Wetten, dass..?“ nicht gelungen, die Fussstapfen auszufüllen, was auch niemand ernsthaft erwartet hat, nachdem Thomas Gottschalk fast 25 Jahre lang der Sendung seinen Stempel aufdrückte.

„Was reimt sich auf Lanz?“
Trotzdem konnte „Wetten, dass..?“ einige Glanzpunkte setzen, freiwillige und unfreiwillige. Etwa, als der Rapper Cro (ja, der mit der lustigen Pandamaske) bei seinem Auftritt ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Was reimt sich auf Lanz“ präsentierte. Hier reagierte Lanz souverän und wollte wissen, was sich denn auf seinen Nachnamen reimt. Für Begeisterung sorgte auch ein Junge, der stoisch sämtliche Haltestellen der U-Bahn in Berlin auswendig aufsagen konnte, mit dem Sing-Sang einer elektronischen Zugdurchsage. Auch bei den Gesprächen mit den prominenten Gästen wirkte Lanz souverän. Kein Wunder, moderiert Lanz doch dreimal pro Woche seine eigene Talkshow am späten Abend im ZDF. Er schaffte das, was Gottschalk abging: tatsächlich Fragen zu stellen und zumindest so zu wirken, als würden ihn die Antworten interessieren.

Spagat zwischen Hektik und Langeweile
Leider klappte bei der Premiere der Neuauflage Einiges auch nicht. Und das gleich zu Beginn, als Markus Lanz mit einem Stand-Up versuchte, einen witzigen Einstieg in die Sendung zu schaffen. Die Pointen zündeten nicht und verpufften in der grossen Halle. Als danach alle Gäste des Abends gleichzeitig auf die Bühne paradierten, entstand grosse Hektik, leider nicht zum letzten Mal an diesem Fernsehabend. Obwohl die Wetten sicher nicht zu hektisch waren, speziell die Wette mit den Hundehaaren und die Wette mit den Morsezeichen waren langweilig und zogen sich in die Länge. Überhaupt schien der Abend zähflüssig und langsam vor sich hin zu fliessen, obwohl dauernd neue Rubriken eingeführt wurden, etwa die Lanz-Challengue: eine Art Mini-Ausgabe von „Schlag den Raab“, bei der Lanz gegen einen Kandidaten antrat, beim Liegestütze-Wettbewerb mit einem Bierkasten auf dem Rücken. Auch, dass jeder Promi auf dem Sofa bei jeder Wette seinen Tipp abgeben musste, sorgte nicht immer gerade für Hochspannung. Aber so ist das wahrscheinlich, wenn nach einem langen Reformstau eine Sendung erneuert wird und die Macher Vieles anders machen wollen und müssen.

Fazit: Sendung straffen, mehr Ruhe bei Lanz
Sicherlich müssen die Wetten spannender werden, auch wenn hier die Macher im Clinch sind und seit der Erfahrung mit dem Unfall von Samuel Koch versuchen, hochriskante Wetten zu vermeiden. Trotzdem oder gerade deshalb muss bei den Wetten ein Zwischenweg gefunden werden, wenn die Sendung noch eine Daseinsberechtigung haben will. Ausserdem sind fast vier Stunden für eine Sendung wie „Wetten, dass?“ einfach zu lang. Markus Lanz muss ruhiger und souveräner werden, in der Hektik der ersten Sendung ging Einiges unter oder kam zu kurz, dass Gottschalk noch souverän wegmoderierte. Aber sicher darf über Lanz nach der ersten Sendung auch nicht der Stab zerbrochen werden, er braucht Zeit, seine eigene Rolle im Format zu finden, abseits von billigen Witzchen und grosser Hektik…

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